Archiv für Sep, 09.2010
Guayadeque – Der perfekte Audioplayer?
Seitdem ich Linux nutze befinde ich mich auf der Suche nach einem gescheiten Audioplayer. Unter Windows habe ich den Foobar2000 Player lieb gewonnen und würde ihn am liebsten auch unter Linux nutzen. Eine Frickelei mit Wine kommt aber nicht in Frage.
Die Auswahl an Audioplayern für Linux ist groß und man könnte doch meinen, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte. Leider trifft das nicht ganz zu. In den vergangenen Jahren habe ich die verschiedensten Programme benutzt und auch viel verglichen. Begeistern konnte mich, bis jetzt, noch keines der getesteten Programme. Häufig scheitert es an fehlenden Features und an abwegigen Bedienungskonzepten. Auch eine Instabilität bei manchen Playern sorgte für eine Menge Frust.
In letzter Zeit habe ich Exaile benutzt, mit dem ich recht zufrieden war und der die wichtigsten Anforderungen erfüllte.
Vor wenigen Tagen habe ich mich dann erneut umgeschaut und Guayadeque entdeckt. Der Name Guayadeque lässt sich nicht so ganz intuitiv abtippen, man muss ihn schon ein wenig besser kennen, bis es flüssig läuft und auch die Aussprache stellt eine Herausforderung dar. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich noch nicht auf Gran Canaria gewesen bin, denn dort gibt es ein wunderschönes Tal, was den klangvollen Namen Barranco de Guayadeque trägt.
Aber zurück zu der Software:
Nach einer kurzen Einarbeitungszeit hat Guayadeque den Exaile Player abgelöst. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen lässt sich die Oberfläche individueller anpassen. Das erfordert ein wenig Zeit, aber man kann sich die Playlisten, Bibliotheken etc. positionieren wie man es mag. Hinzu kommen noch einige Features, die in anderen Playern nicht enthalten sind oder dort nicht so ausgeprägt oder gut zu erreichen sind.
Wer über eine große Musiksammlung verfügt, wird sich über die tolle Strukturierung freuen: Die MP3s lassen sich nach Label, Interpret, Album, Genre anzeigen. So behält man stets den Überblick und findet Alben deutlich schneller. Anschließend kann man die gewünschten Lieder, Alben oder Interpreten zu der Playlist hinzufügen. Es lassen sich auch beliebige viele Playlists (Wiedergabelisten) erstellen und abspeichern. Daneben verfügt Guayadeque noch über einen Cover- und Dateibrowser. Der Coverbrowser zeigt alle Cover, der in der Musiksammlung befindlichen Alben/Lieder. Mit dem Dateibrowser kann man auch unabhängig von der Musiksammlung und den Wiedergabelisten Musikdateien suchen und hinzufügen.
Wer gerne Statistiken mag wird auch hier auf seine Kosten kommen. Über die aktuelle Auswahl in der Musiksammlung werden Dateigröße, Anzahl Lieder und gesamte Spieldauer angezeigt. Für jedes einzelne Lied kann man eine Bewertung in Form von Sternen abgeben um so die guten und weniger guten Lieder zu kennzeichnen. Guayadeque loggt nebenbei auch mit wann und wie oft jedes Lied gehört wurde. Lieblingslieder kristallisieren sich mit der Zeit heraus.
Ein weiteres Highlight ist die innovative Integration von Lastfm. Zum einen kann man ganz gewöhnlich die gespielten Lieder scrobbeln, sodass sie auf dem Lastfm-Profil angezeigt werden. Soweit halten andere Audioplayer noch mit. Im Reiter “Lastfm” werden auf einer Übersichtsseite Informationen zum Interpret gezeigt, der aktuell abgespielt wird. Diese Daten stammen von der Lastfm-Homepage. Weiterhin werden dort die Top-Alben, Top-Lieder und ähnliche Interpreten aufgelistet. Dies ermöglicht das Stöbern und entdecken neuer Musik. Das spektakulärste – auf Lastfm basierende Feature – nennt sich Smart Mode. Ist dieser Modus angeschaltet, werden die Lieder in der Playlist untersucht und in der Lastfm-Datenbank werden ähnliche Lieder gesucht, die sich in der eigenen Musiksammlung befinden. Hört man sich ein Album an, werden bei aktiviertem Smart Mode nach dem letzten Song neue Lieder angefügt, die laut Lastfm den vorherigen stilistisch ähneln. In den Einstellungen kann man genau definieren, ab wann und wieviele Songs angefügt werden sollen. Hört man immer weiter, werden mit der Zeit weitere Songs angefügt und es entwickelt sich ein sehr unterhaltsames und interessantes Eigenleben der eigenen Musiksammlung. Das kann ich sehr empfehlen! Man könnte es auch eine Art intelligenten Shuffle-Modus nennen.
Des Weiteren gibt es noch eine Übersichtsseite, die die Lyrics (Liedtexte) des aktuellen Songs anzeigen. Dort kann man zwischen verschiedenen Lyrics-Webseiten wählen.
Optisch ist Guayadeque nicht unbedingt der hübscheste Audioplayer, aber das ist eigentlich nebensächlich. Mit einer Coveranzeige, einem VU-Meter wird das insgesamt dennoch stimmige Bild abgerundet.
Wer mag, kann den sehr ausführlich einstellbaren Crossfader benutzen. Es lassen sich exakte Zeiten zum Aus- und Einblenden der Lieder einstellen. Über einen Equalizer verfügt Guayadeque ebenfalls.
Hörer von Podcasts können in einem eigens dafür vorgesehenen Fenster ganze Podcast-Feeds abonnieren und verwalten. Ebenso gut kann man verschiedene Radiostationen (Streams) verwalten. Damit jedoch noch nicht genug, zwei weitere Features sind noch erwähnenswert:
Im Kontextmenü eines Songs (Rechtsklick) lassen sich Links aufrufen. Diese Links kann man in den Einstellungen vordefinieren und so wird bspw. bei einem Link zu Wikipedia auf der Webseite von Wikipedia nach dem markierten Titel gesucht. Das ist sehr praktisch, möchte man Nachforschungen zu einem Lied oder Interpreten anstellen.
Direkt darunter befinden sich im Kontextmenü weitere Verknüpfungen/Befehle. Auch sie lassen sich über das Einstellungsmenü definieren und so kann man sich mit einem Klick das Verzeichnis im Dateibrowser öffnen lassen, indem sich das markierte Lied befindet. Aber auch weiterführende Befehle, wie die Ansteuerung des Brennprogramms sind möglich.
Schwachstellen, Defizite oder Bugs konnte ich in den letzten Tagen nicht feststellen, weshalb ich diesen Audioplayer momentan uneingeschränkt weiter empfehlen kann.
Noch kurz eine technische Anmerkung: Guayadeque basiert auf der wxWidgets-Bibliothek und ist somit auf unterschiedlichsten Linux-Oberflächen lauffähig. Theoretisch läuft wxWidgets auch unter Windows, aber eine Windows-Version von Guayadeque ist mir nicht bekannt.
Installation
Sourcefiles oder auch fertige Deb-Pakete können auf der offiziellen Homepage @ Sourceforge heruntergeladen werden. Nutzer von Ubuntu können auch die Paketquellen erweitern und über APT die Installation vornehmen:
Ergänzung für die /etc/apt/sources.list (hier für Lucid Lynx 10.04.x):
deb http://ppa.launchpad.net/anonbeat/guayadeque/ubuntu lucid main
Anschließend den Signierungsschlüssel herunterladen und die Paketquellen aktualisieren:
sudo apt-key adv --recv-keys --keyserver keyserver.ubuntu.com 4499973B && sudo apt-get update
Guayadeque kann nun installiert werden. Es gibt 2 Varianten. Eine ältere und stabile Version:
sudo apt-get install guayadeque
Und eine neue Version, die aus der möglichst aktuellsten SVN-Revision besteht:
sudo apt-get install guayadeque-svn
In diesem Sinne: ROCK ON!
Die Suchleiste des Mozilla Firefox
Der Browser ist in den letzten Jahren immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Kaum ein privater Computer hat nicht permanent den Browser geöffnet und er bildet die wichtigste Schnittstelle zum Internet.
Da verwundert es, wenn viele Benutzer sich gar nicht so gut mit diesem wichtigen Werkzeug auskennen. In diesem Artikel möchte ich auf die Suchleiste (standardmäßig im oberen rechten Eck anzutreffen) eingehen.

Im Firefox ist Google als Suchdienst voreingestellt. Tippt man nun seinen Suchbegriff ins obere Feld und Bestätigt mit Enter oder Mausklick auf die Lupe, erscheint im aktuellen Fenster die Google-Webseite mit den Suchergebnissen. Soweit so klar!
Der Firefox bietet aber mehr: Klickt man auf das Google-Symbol bzw. die Dropdown-Schaltfläche, öffnet sich eine Auswahl an vorinstallierten Suchdiensten (Amazon, Ebay, Wikipedia, Yahoo, …). Wählt man einen dieser Optionen aus, wird nach Eingabe eines Suchbegriffs auf eben dieser Internetseite gesucht.
Des Weiteren fällt vermutlich der Button “Suchmaschinen verwalten” auf. Nach einem Klick auf selbigen öffnet sich ein kleines Fenster, wo sich die verschiedenen Suchdienste verwalten lassen.
Mit der Sortierfunktion (“Nach oben”, “Nach unten”) kann man eine beliebige Reihenfolge erstellen. Der oberste Suchdienst wird als Standard betrachtet und ist automatisch aktiv, wenn der Browser gestartet wird.
Über den Button “Entfernen” oder die Entfernen-Taste selber lassen sich Suchdienste aus der Liste löschen.
Wem die Auswahl nicht reicht, kann auch manuell neue Dienste installieren. Der Link im Verwaltungsfenster führt zu folgender Webseite Mozilla Firefox Addons – Suchwerkzeuge. Eine noch größere Auswahl gibt es auf dieser Webseite: Mycroft Project.
Zur Installation einfach auf den entsprechenden Link klicken und im sich öffnenden Fenster die Installation bestätigen.
Ab sofort ist der neue Suchdienst in der Suchmaschinen-Verwaltung zu finden.
Über den Button “Schlüsselworte” habe ich bisher noch nichts geschrieben. Das hole ich jetzt nach. Dort lässt sich für jeden Suchdienst ein individuelles Schlüsselwort festlegen. Im Nachfolgenden gibt man in der Adressleiste das Schlüsselwort des gewünschten Suchdienstes und dahinter den Suchbegriff ein, um auf der Webseite des Suchdienstes nach dem Suchbegriff zu suchen.
Beispiel:
Schlüsselwort = “wiki” für den Wikipedia-Suchdienst
In der Adressleiste eingeben: “wiki Hauptseite” -> Es wird auf Wikipedia nach “Hauptseite” gesucht.
Über Sinn und nutzen vieler Suchdienste lässt sich streiten, aber die Vielfalt ist groß genug um nahezu alle Bedürfnisse zu stillen.
Besonders möchte ich hier aber den Suchdienst von Scroogle empfehlen. Scroogle fungiert als Proxy für die Google-Suche. Dadurch ist es Google nicht mehr möglich Suchbegriffe bestimmten Personen zuzuordnen oder Historien der Suchbegriffe anzulegen. Nach eigenen Angaben löscht Scroogle alle 48 Stunden die Serverlogs. Eine optionale SSL-Verschlüsselung bietet weitere Privatsphäre für den Anwender.
Warum ich das erzähle und somit etwas vom Thema abschweife? Ganz einfach (und man kann es sich schon denken): Auch für Scroogle gibt es ein Firefox-Plugin -> Scroogle @ Mycroft Project. Auf dieser Seite gibt es eine große Auswahl an Scroogle-Plugins für die unterschiedlichsten Sprachen.
Empfehlenswert ist die internationale Suche Scroogle SSL und die deutsche Variante Scroogle SSL de.
vim komfortabel beenden mit MyQuit
Die Situation kennt vielleicht der ein oder andere vim-Nutzer: Man editiert an mehreren Dateien, schließt und öffnet sie. Leicht verliert man den Überblick, ob man nun mit :wq (also mit speichern) oder nur mit :q vim beenden soll. Hinzu kommt der Umstand, dass man sich im Kommandomodus befinden und den jeweiligen Befehl erst eingeben muss.
Spontan kam mir der Gedanke: Das geht doch bestimmt viel komfortabler.
Und so habe ich mich an ein Script gegeben, was das Beenden von vim viel einfacher und schneller gestaltet. Dabei handelt es sich um eine Funktion, die mit Mapping auf eine Taste gelegt wird.
Wird diese Taste betätigt, überprüft das Script, ob an der geöffneten Datei Änderungen vorgenommen wurden. Existiert die Datei und wurde sie nicht verändert, wird vim sofort geschlossen (:q). Falls es Änderungen gab, wird nun abgefragt, ob diese abgespeichert werden sollen. Ist das nicht der Fall, wird vim wiederum sofort geschlossen (:q!). Sollen die Änderungen gespeichert werden, wird noch überprüft, ob es sich um eine existierende Datei handelt (:wq) oder ob sie neu angelegt werden muss. Muss die Datei erstellt werden, wird man nach dem gewünschten Dateinamen gefragt (:wq $dateiname).
Die Vorteile des Scripts liegen auf der Hand: Es reagiert auf die jeweilige Situation um vim möglichst effizient und schnell zu beenden. Im Vergleich zum herkömmlichen Beeden muss man nicht mehr den jeweils richtigen Befehl eingeben. Es braucht auch nur eine einzige Tastenkombination in das Mapping eingetragen werden (ein Tastendruck für das Beenden).
""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" " myquit.vim " Author: Julian <julian@tuxoid.net> " URL: http://www.tuxoid.net/stuff/myquit.vim " Version: 1.0 - Mi 8. Sep 11:37:31 CEST 2010 " License: CC 3.0 BY-NC-SA """"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" """"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" " Installation: " 1) copy myquit.vim to ~/.vim/scripts " 2) edit .vimrc and insert: " :so $HOME/.vim/scripts/myquit.vim " map <F8> :call MyQuit()<CR> """"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" function! MyQuit() " file modified / not stored yet if(&modified == 1) " should the file be saved or not?" let inp = input('save current file? (y)es/(n)o: ') " save file if(inp == "y") " file already exists if(expand('%:p') != "") exec "wq" " file doesn't exist, ask for filename else let fname = input('filename: ') exec "wq" fname endif " don't save file => quit immediately elseif(inp == "n") exec "q!" endif " file not modified => quit immediately else exec "q" endif endfunction
Die aktuellste Version des Scripts ist unter tuxoid.net/stuff/myquit.vim zu finden!
Das Script kann nun an einen beliebigen Ort kopiert werden. Ich habe es unter ~/.vim/scripts abgelegt. In der .vimrc macht man nun noch folgende Angaben, um das Script einzubinden und die Taste zu belegen:
:so $HOME/.vim/scripts/myquit.vim map <F8> :call MyQuit()<CR>
Würde mich sehr über Feedback freuen.
C programmieren mit vim
Mit vim, dem vielseitigen und hoch konfigurierbaren Editor, kann man sich auch sehr einfach eine kleine IDE für C bauen. Ziel ist es den geschriebenen Quellcode direkt in vim zu kompilieren und auszuführen. Dazu ist nur ein wenig Konfigurationsarbeit in der vimrc nötig.
Zunächst macht man Angaben zum Compiler:
Falls der Dateityp auf .c endet (autocmd Filetype c), soll bei Eingabe von “:make” folgender Befehl ausgeführt werden: gcc dateiname.c -o dateiname. Der Eintrag in der vimrc sieht wie folgt aus:
autocmd FileType c let &makeprg='gcc % -o %<'
Das % steht hierbei für den Dateinamen mit der Dateiendung und das %< für den Dateinamen alleine.
Desweiteren ist es hilfreich die Fehlerausgaben des Compilers sich besser lesbar ausgeben zu lassen (hier: Datei:Zeile:Spalte:Meldung):
let &errorformat='%f:%l:%c:%m'
Nun zu der eigentlichen Konfigurierung:
Im folgenden werden zwei Funktionen definiert. Die erste speichert beim Aufruf die Datei (:w) und kompiliert den Quellcode (:make). Die zweite Funktion macht zunächst das gleiche, führt aber anschließend die kompilierte Datei aus (:!./dateiname).
func! _gcc() exec "w" exec "make" endfunc func! _gccs() exec "w" exec "make" exec "! ./%<" endfunc
Nun werden noch beide Aufrufe der Funktionen auf eine beliebiger Taste gelegt (Mapping). Hier lege ich sie auf die Tasten F3 und F4, wobei nmap bedeutet, dass dieses Mapping nur für den Normalmodus/Kommandomodus gültig ist.
nmap <F3> :call _gcc()<CR> nmap <F4> :call _gccs()<CR>
Und was ohnehin in jede vimrc hinein gehört, um die Syntax farblich hervorzuheben (syntax highlighting):
syntax on
Über ein Addon/Script kann man sich dann noch die Projektdateien in einer Art Dateibrowser anzeigen lassen. Es nennt sich sinnvollerweise project.
Damit man im Quellcode steht den Überblick behält unterstützt vim auch das Falten (Folding), womit sich geklammerte Terme ausblenden lassen. Das ist aber wiederum so umfangreich, dass ich hier in diesem Artikel nicht weiter darauf eingehen möchte. Eine gute Anlaufstelle ist, wie immer, die Hilfe (:help folding).
Da vim so unglaublich variabel ist, lässt er nahezu keine Wünsche offen und die oben beschriebene “IDE” ist nur eine von vielen Möglichkeiten.


